Constantin Schreiber ist einer der bekanntesten deutschen Journalisten seiner Generation. Als langjähriger Moderator der 20-Uhr-Tagesschau war er für Millionen von Deutschen das Gesicht der wichtigsten Nachrichtensendung des Landes. Im Mai 2025 verließ er die ARD freiwillig, um neue journalistische Wege zu gehen. Heute berichtet Constantin Schreiber als Reporter für das Medienhaus Axel Springer aus Tel Aviv über den Nahen Osten – eine Region, die er wie kaum ein anderer deutscher Journalist kennt. Sein Abgang aus der Tagesschau und sein neues Leben als Auslandskorrespondent sind ein faszinierendes Kapitel in der Geschichte des deutschen Journalismus.
Der Name Constantin Schreiber steht für seriösen, unerschrockenen Journalismus. Seine Bücher über den Islam in Deutschland, seine Arbeit als Arabisch-sprechender Korrespondent und seine kritischen Reportagen haben ihn zu einer der markantesten Stimmen im deutschen Medienbetrieb gemacht. Sein Wechsel von der öffentlich-rechtlichen ARD zum privaten Axel-Springer-Verlag ist mehr als ein Jobwechsel – er ist ein Statement über die Zukunft des deutschen Journalismus.
Hintergrund: Ein Journalist mit außergewöhnlichem Werdegang
Constantin Schreiber wurde am 14. Juni 1979 in Cuxhaven geboren. Sein Werdegang ist alles andere als gewöhnlich: Er studierte Rechtswissenschaften und erwarb während seiner Jugend in Syrien fließende Arabischkenntnisse – eine Fähigkeit, die seinen journalistischen Weg entscheidend prägen sollte. Nach dem Studium arbeitete er für die libanesische Zeitung Daily Star und war als Nachrichtenkorrespondent für die Deutsche Welle in Dubai tätig. Außerdem beriet er das Auswärtige Amt in Medienfragen.
Bevor er zur ARD kam, moderierte Schreiber beim Nachrichtensender n-tv und war Gastgeber der deutsch-arabischen TV-Serie "SciTech – Our World Tomorrow". Im Januar 2017 wechselte er zu ARD aktuell, wo er zunächst frühe und Wochenendausgaben der Tagesschau und des Nachtmagazins moderierte. Von März 2017 bis Dezember 2020 leitete er außerdem das NDR-Medienmagazin "Zapp". Im September 2020 wurde bekannt, dass er Teil des Teams für die 20-Uhr-Tagesschau werden würde – seine erste Sendung in dieser Rolle war am 4. Januar 2021.
Parallel zu seiner Moderatorentätigkeit machte sich Schreiber als Buchautor einen Namen. Seine Werke "Inside Islam. Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird." und "Kinder des Koran. Was muslimische Schüler lernen." lösten intensive gesellschaftliche Debatten aus und machten ihn zu einer der meistdiskutierten Stimmen in der Integrationsdebatte. 2017 erhielt er den renommierten Grimme-Preis für die Dokumentationsreihe "Marhaba – Ankommen in Deutschland".
Aktuelle Entwicklung: Abschied von der Tagesschau
Am 25. Mai 2025 moderierte Constantin Schreiber seine letzte Ausgabe der 20-Uhr-Tagesschau. Der Abschied war freiwillig – Schreiber hatte die Entscheidung mehrere Monate zuvor getroffen und das Redaktionsteam entsprechend informiert. Seine Begründung: Er wolle sich wieder stärker dem tiefgründigen, investigativen Journalismus widmen und neue Projekte entwickeln. "Es war eine große Ehre, die Tagesschau zu präsentieren. Die Jahre und Aufgaben haben mich persönlich und beruflich bereichert", sagte Schreiber in einer Erklärung.
Nach einer mehrmonatigen Auszeit trat Schreiber am 1. September 2025 seine neue Stelle bei Axel Springers "Welt" an. Als Reporter in Tel Aviv berichtet er über den gesamten Nahen Osten – eine Region, die durch den anhaltenden Israel-Gaza-Konflikt, die Spannungen mit dem Iran und die politischen Umwälzungen in mehreren arabischen Ländern im Fokus der Weltöffentlichkeit steht. Schreiber nutzt dabei verschiedene Formate: Artikel, Podcasts, TV-Dokumentationen und Talkshows. Außerdem entwickelt er ein neues TV-Format, das in Kairo produziert werden soll.
Seine Nachfolgerin bei der 20-Uhr-Tagesschau ist Romy Hiller, die ab dem 14. Juni 2025 zum Hauptteam stieß. Sie ergänzt das bestehende Team aus Jens Riewa, Susanne Daubner, Julia-Niharika Sen und Thorsten Schröder. Der Übergang verlief reibungslos, und die Tagesschau bleibt die meistgesehene Nachrichtensendung Deutschlands.
Experteneinschätzungen: Was bedeutet Schreibers Wechsel?
Medienwissenschaftler sehen in Schreibers Wechsel von der ARD zu Axel Springer ein Symptom eines tiefgreifenden Wandels im deutschen Mediensystem. "Die Grenzen zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem Journalismus verschwimmen zunehmend", erklärt ein Medienwissenschaftler der Universität Hamburg. "Journalisten wie Schreiber suchen nach Plattformen, die ihnen mehr Freiheit und Reichweite bieten."
Kritiker werfen Schreiber vor, mit seinem Wechsel zu Axel Springer – einem Verlag, der für seine konservative und pro-israelische Haltung bekannt ist – seine journalistische Unabhängigkeit zu gefährden. Befürworter hingegen sehen in dem Wechsel eine konsequente Entscheidung eines Journalisten, der seine Überzeugungen und seine Expertise in einem neuen Umfeld einbringen möchte.
Unbestritten ist, dass Schreiber mit seinen Arabischkenntnissen und seiner langjährigen Erfahrung im Nahen Osten eine einzigartige Perspektive mitbringt. In einer Zeit, in der der Nahe Osten mehr denn je im Mittelpunkt der Weltpolitik steht, ist ein Journalist mit seiner Expertise besonders wertvoll. "Constantin Schreiber ist einer der wenigen deutschen Journalisten, der die Region wirklich versteht", sagt ein ehemaliger Kollege.
Auswirkungen: Journalismus im Wandel
Der Fall Constantin Schreiber wirft grundlegende Fragen über die Zukunft des deutschen Journalismus auf. Wie können öffentlich-rechtliche Sender talentierte Journalisten halten, wenn private Medienunternehmen attraktivere Bedingungen bieten? Wie verändert sich die Medienlandschaft, wenn erfahrene Moderatoren die großen Sender verlassen, um neue Formate zu entwickeln?
Die ARD hat mit dem Abgang von Schreiber einen erfahrenen und populären Moderator verloren. Gleichzeitig zeigt sein Wechsel, dass der deutsche Journalismus in Bewegung ist. Neue digitale Formate, Podcasts und multimediale Plattformen bieten Journalisten Möglichkeiten, die es vor zehn Jahren noch nicht gab. Schreiber nutzt diese Möglichkeiten konsequent und zeigt, wie moderner Auslandsjournalismus im 21. Jahrhundert aussehen kann.
Für die Zuschauer der Tagesschau bedeutet sein Abgang den Verlust eines vertrauten Gesichts. Für den deutschen Journalismus insgesamt könnte sein Wechsel jedoch ein Gewinn sein: Ein erfahrener Journalist, der mit neuen Formaten und aus einer der wichtigsten Regionen der Welt berichtet, bereichert die deutsche Medienlandschaft.
Ausblick: Schreiber als Stimme aus dem Nahen Osten
Constantin Schreiber hat sich mit seinem Wechsel nach Tel Aviv in eine der gefährlichsten und komplexesten Regionen der Welt begeben. Der Nahe Osten ist ein Pulverfass, und die Berichterstattung aus dieser Region erfordert nicht nur journalistische Kompetenz, sondern auch persönlichen Mut. Schreiber hat beides bewiesen – in seiner Arbeit für die Tagesschau und in seinen Büchern über den Islam.
In den kommenden Monaten und Jahren wird Constantin Schreiber als einer der wichtigsten deutschen Stimmen aus dem Nahen Osten zu hören und zu sehen sein. Seine Berichte, Podcasts und Dokumentationen werden dazu beitragen, die komplexe Realität dieser Region einem deutschen Publikum näherzubringen. Das ist eine wichtige Aufgabe – und Constantin Schreiber ist dafür bestens gerüstet.
Sein Abgang aus der Tagesschau markiert das Ende einer Ära – und den Beginn eines neuen Kapitels in der Karriere eines der bemerkenswertesten deutschen Journalisten seiner Generation. Die Medienwelt wird Constantin Schreiber weiterhin aufmerksam beobachten.
Die Bedeutung von Journalisten wie Constantin Schreiber für die deutsche Öffentlichkeit kann kaum überschätzt werden. In einer Zeit, in der Desinformation und Propaganda zunehmen und das Vertrauen in die Medien in Teilen der Bevölkerung schwindet, sind erfahrene, kompetente und mutige Journalisten wichtiger denn je. Schreibers Entscheidung, die Sicherheit eines großen öffentlich-rechtlichen Senders zu verlassen und in eine der gefährlichsten Regionen der Welt zu gehen, ist ein Zeichen dieser Haltung.
Sein Werdegang zeigt auch, wie wichtig Sprachkenntnisse und kulturelles Verständnis für den modernen Journalismus sind. Wer den Nahen Osten wirklich verstehen will, muss Arabisch sprechen und die kulturellen Codes kennen. Schreiber hat diese Fähigkeiten über Jahrzehnte aufgebaut und nutzt sie nun, um deutschen Lesern und Zuschauern ein tieferes Verständnis einer Region zu vermitteln, die für die Weltpolitik von zentraler Bedeutung ist.
Die Tagesschau hat mit Schreibers Abgang einen wichtigen Moderator verloren, aber der deutsche Journalismus insgesamt hat gewonnen: einen erfahrenen Auslandskorrespondenten, der mit Leidenschaft, Kompetenz und Mut über eine der wichtigsten Regionen der Welt berichtet. Das ist ein Gewinn für alle, die sich für internationale Politik und Journalismus interessieren.




