Das kleine Dorf Ellringen im Landkreis Lüneburg feiert in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum: Das Ellringen Oldtimertreffen findet am 19. April 2026 zum 40. Mal statt und zieht damit erneut Tausende von Oldtimer-Enthusiasten aus ganz Norddeutschland in das beschauliche Dorf bei Dahlenburg. Mit bis zu 750 historischen Fahrzeugen und rund 12.000 erwarteten Besuchern ist das Ellringen Oldtimertreffen längst zu einem der bedeutendsten Klassikerveranstaltungen in der Region geworden – und das in einem Ort mit gerade einmal 200 bis 250 Einwohnern. Das Ellringen Dorf Geschichte schreibt damit ein weiteres Kapitel in seiner bemerkenswerten Chronik.
Vom kleinen Hoftreffen zur Großveranstaltung
Die Geschichte des Ellringer Oldtimertreffen begann bescheiden: Was einst als kleines Treffen auf dem Hof Gerstenkorn startete, hat sich über vier Jahrzehnte zu einer Institution entwickelt, die weit über die Grenzen Niedersachsens hinaus bekannt ist. Jedes Jahr im April verwandelt sich das sonst so ruhige Dorf in ein lebendiges Museum der Automobilgeschichte, in dem Fahrzeuge aus vergangenen Jahrzehnten wieder zum Leben erwachen. Die Veranstaltung hat sich dabei stets ihren ursprünglichen Charakter bewahrt: familiär, authentisch und leidenschaftlich.
Für das 40. Jubiläum haben die Organisatoren besondere Vorbereitungen getroffen. Die Veranstaltung findet am Sonntag, dem 19. April 2026, von 6:00 Uhr bis 17:00 Uhr statt. Oldtimer-Besitzer und Teilehändler werden gebeten, über den Wiechelner Weg anzureisen. Als besonderes Jubiläumsgeschenk erhalten die ersten 750 eintreffenden Oldtimer eine exklusive Gedenkplakette – ein begehrtes Sammlerstück für jeden Teilnehmer. Die Plakette wird jedes Jahr neu gestaltet und ist unter Sammlern sehr begehrt, da sie die Geschichte des Treffens dokumentiert.
Die Veranstaltung hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem echten Gemeinschaftsprojekt entwickelt. Zahlreiche Freiwillige aus dem Dorf und der Umgebung helfen bei der Organisation, der Parkplatzeinweisung und der Betreuung der Besucher. Dieser ehrenamtliche Einsatz ist es, der das Treffen so besonders macht und ihm seinen unverwechselbaren Charakter verleiht.
Vielfalt auf vier und zwei Rädern
Was das Ellringer Oldtimertreffen von anderen Veranstaltungen unterscheidet, ist die beeindruckende Vielfalt der ausgestellten Fahrzeuge. Teilnehmen dürfen alle Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind und sich in einem gepflegten Zustand befinden. Das Spektrum reicht von eleganten Oldtimer-Automobilen über historische Motorräder bis hin zu landwirtschaftlichen Traktoren, historischen Lastkraftwagen und sogar alten Feuerwehrfahrzeugen. Diese Bandbreite macht das Treffen zu einem einzigartigen Erlebnis für Besucher aller Altersgruppen.
Neben der Fahrzeugausstellung bietet das Treffen auch einen umfangreichen Teilemarkt, auf dem Sammler und Restauratoren seltene Ersatzteile, Werkzeuge und Zubehör finden können. In den Vorjahren nahmen mehr als 100 Händler an diesem Markt teil. Die Standgebühr für Teilehändler beträgt sieben Euro pro Meter, und eine frühzeitige Anreise wird empfohlen, da die Kapazitäten begrenzt sind. Viele Händler reisen aus dem gesamten norddeutschen Raum an, um ihre Waren anzubieten und Kontakte zu knüpfen.
Der Eintritt für Besucher beträgt drei Euro, Kinder unter zehn Jahren haben freien Eintritt. Für Oldtimer-Besitzer ist der Eintritt kostenlos – zwei Personen pro Fahrzeug. Neben den Fahrzeugen und dem Teilemarkt sorgen Imbissstände und ein nostalgisches Kinderkarussell für das leibliche Wohl und die Unterhaltung der ganzen Familie. Das Angebot an regionalen Speisen und Getränken ist dabei ein weiterer Anziehungspunkt für Besucher, die das Treffen als Ausflugsziel nutzen.
Besonders beliebt sind die sogenannten „Schätze aus der Scheune" – Fahrzeuge, die nach jahrelangem Dornröschenschlaf erstmals wieder der Öffentlichkeit präsentiert werden. Diese Entdeckungen sorgen regelmäßig für Begeisterung unter den Besuchern und zeigen, welche automobilen Schätze noch in deutschen Garagen und Scheunen schlummern. Experten und Liebhaber diskutieren dann ausgiebig über Restaurierungsmöglichkeiten und den historischen Wert der Fahrzeuge.
Ellringen als Vorreiter der Energiewende
Doch Ellringen ist nicht nur für sein Oldtimertreffen bekannt. Das Dorf hat sich in den vergangenen Jahren auch als Pionier der Energiewende einen Namen gemacht. Als sogenanntes Bioenergiedorf ist Ellringen weitgehend unabhängig von fossilen Brennstoffen – und das schon lange bevor die Energiekrise das Thema in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rückte.
Der Schlüssel zu dieser Unabhängigkeit liegt in einer Biogasanlage, die das Dorf mit Wärme und Strom versorgt. Thomas Koch, Landwirt und Unternehmer, übernahm die bestehende Anlage im Jahr 2011 und entwickelte eine Vision, die weit über die bloße Stromerzeugung hinausging: Er wollte das gesamte Dorf mit günstiger Fernwärme versorgen. Dazu baute er auf eigene Kosten ein Heizungsnetz und überzeugte nahezu alle der rund 50 Haushalte in Ellringen, sich anzuschließen. Dabei ließ er auch gleich Leerrohre für zukünftige Glasfaserkabel verlegen – ein weitblickender Schritt, der dem Dorf heute zugute kommt.
Die wirtschaftlichen Vorteile für die Dorfbewohner sind erheblich: Anfang 2023 lag der Preis für eine Kilowattstunde Fernwärme in Ellringen bei lediglich 7 bis 7,5 Cent – deutlich günstiger als der damalige Erdgaspreis von 13,77 Cent pro Kilowattstunde. Gleichzeitig arbeitet die Anlage CO2-neutral und nährstoffneutral, da lokale Landwirte ihre Gülle als Rohstoff für die Biogasanlage liefern – eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Die Landwirte profitieren von einer einfachen Entsorgungsmöglichkeit für ihre Gülle, während Koch den Rohstoff für seine Anlage erhält.
Ein Modell für die Zukunft ländlicher Gemeinden
Ellringen ist Teil der Samtgemeinde Dahlenburg, die sich seit mehr als 20 Jahren auf erneuerbare Energien konzentriert. Mit 18 Windparks und der Biogasanlage produziert die Samtgemeinde mehr Strom als sie verbraucht – ein beeindruckendes Ergebnis, das zeigt, was möglich ist, wenn Gemeinden konsequent auf nachhaltige Energiequellen setzen.
Experten sehen in Ellringen ein Modell, das auch für andere ländliche Gemeinden in Deutschland interessant sein könnte. Die Kombination aus lokaler Energieerzeugung, gemeinschaftlichem Engagement und wirtschaftlichem Nutzen für die Bewohner macht das Bioenergiedorf zu einem Beispiel gelungener Energiewende auf kommunaler Ebene. Thomas Koch selbst erkundet kontinuierlich alternative Energiepflanzen jenseits von Mais für die Biogasanlage, um die Nachhaltigkeit weiter zu verbessern und die Abhängigkeit von einzelnen Rohstoffen zu reduzieren.
Die Unabhängigkeit von russischem Erdgas, die Ellringen bereits vor dem Ausbruch der Energiekrise 2022 erreicht hatte, erwies sich als weitsichtige Entscheidung. Während viele Gemeinden und Haushalte mit explodierenden Energiepreisen kämpften, blieben die Bewohner Ellringens von den schlimmsten Auswirkungen verschont. Dieses Beispiel hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt und andere Gemeinden dazu inspiriert, ähnliche Konzepte zu entwickeln.
Wissenschaftler und Politiker besuchen Ellringen regelmäßig, um das Bioenergiedorf-Konzept zu studieren. Das Dorf ist zu einem Referenzprojekt für nachhaltige Energieversorgung im ländlichen Raum geworden und wird in Fachpublikationen und auf Konferenzen als Erfolgsbeispiel zitiert. Die Kombination aus wirtschaftlichem Nutzen, ökologischer Nachhaltigkeit und gemeinschaftlichem Zusammenhalt macht Ellringen zu einem Modell, das weit über die Grenzen Niedersachsens hinaus Beachtung findet.
Tradition und Innovation vereint
Das Ellringen Oldtimertreffen und das Bioenergiedorf-Konzept mögen auf den ersten Blick wie ein Widerspruch erscheinen: Hier die Leidenschaft für historische Verbrennungsmotoren, dort das Engagement für erneuerbare Energien. Doch in Ellringen ergänzen sich diese beiden Aspekte auf einzigartige Weise. Das Dorf zeigt, dass Tradition und Innovation kein Gegensatz sein müssen – dass man die Vergangenheit feiern und gleichzeitig die Zukunft gestalten kann.
Das 40. Oldtimertreffen am 19. April 2026 wird daher nicht nur ein Fest für Oldtimer-Liebhaber sein, sondern auch ein Symbol für die Vitalität und den Ideenreichtum einer kleinen Dorfgemeinschaft, die sich trotz ihrer geringen Größe einen festen Platz in der Geschichte Norddeutschlands erarbeitet hat. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich dieses besondere Jubiläumstreffen nicht entgehen lassen – und dabei vielleicht auch einen Blick auf die Biogasanlage werfen, die Ellringen zu einem Vorbild für nachhaltige Energieversorgung gemacht hat.
Für Besucher, die von weiter her anreisen, empfiehlt sich eine frühzeitige Planung, da das Treffen erfahrungsgemäß viele Besucher anzieht und die Parkplätze in der Umgebung schnell belegt sind. Die Veranstaltung ist ein Pflichttermin für alle, die historische Fahrzeuge lieben und gleichzeitig ein lebendiges Beispiel für gelungene Dorfentwicklung erleben möchten. Ellringen zeigt, wie ein kleines Dorf durch Engagement, Kreativität und Gemeinschaftssinn zu einem überregional bekannten Ort werden kann – und dabei sowohl seine Traditionen pflegt als auch die Herausforderungen der Zukunft meistert.




