Fertiggerichte Gesundheit Deutschland – dieses Thema gewinnt angesichts aktueller Studienergebnisse zunehmend an Bedeutung. Eine im Januar 2025 im renommierten Fachjournal The Lancet veröffentlichte europäische Großstudie zeigt: Wer regelmäßig hochverarbeitete Lebensmittel konsumiert, erhöht sein Sterberisiko signifikant. Die Studie, an der fast 430.000 Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern beteiligt waren, belegt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Konsum von Ultra-Processed Foods (UPF) und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Verdauungserkrankungen und sogar Parkinson. In Deutschland machen hochverarbeitete Lebensmittel bereits 27 bis 28 Prozent der konsumierten Nahrungsmittel aus – mit steigender Tendenz.

Hintergrund: Was sind Fertiggerichte und hochverarbeitete Lebensmittel?

Fertiggerichte und hochverarbeitete Lebensmittel sind nicht dasselbe, werden aber oft in einem Atemzug genannt. Unter Fertiggerichten versteht man in der Regel verzehrfertige oder leicht zuzubereitende Mahlzeiten wie Tiefkühlpizza, Fertigsuppen oder Mikrowellengerichte. Hochverarbeitete Lebensmittel – im Englischen als Ultra-Processed Foods (UPF) bezeichnet – sind eine breitere Kategorie, die nach dem NOVA-Klassifikationssystem definiert wird. Sie umfassen Produkte, die industriell hergestellt wurden und zahlreiche Zusatzstoffe wie Aromen, Konservierungsmittel, Emulgatoren, Farbstoffe und Süßungsmittel enthalten.

In Europa sind derzeit 320 verschiedene Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Viele dieser Stoffe werden eingesetzt, um Geschmack, Textur, Haltbarkeit und Aussehen von Lebensmitteln zu verbessern. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Langzeitwirkungen vieler Zusatzstoffe auf die menschliche Gesundheit noch nicht ausreichend erforscht sind. Besonders der Emulgator Carrageenan (E 407), der in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln vorkommt, steht im Verdacht, die Darmschleimhaut zu schädigen und möglicherweise zu Diabetes oder bestimmten Krebsarten beizutragen.

Das Phosphat-Problem ist ein weiterer Aspekt, der Ernährungsexperten besorgt. Deutsche Verbraucher nehmen heute doppelt so viel Phosphat zu sich wie noch in den 1990er Jahren – hauptsächlich durch Zusatzstoffe in industriell hergestellten Lebensmitteln. Ein hoher Phosphatkonsum belastet die Nieren und schädigt die Blutgefäße, was langfristig das Risiko für Nierenerkrankungen und Herz-Kreislauf-Probleme erhöht. Phosphat wird als Stabilisator, Säureregulator und Emulgator in zahlreichen Fertigprodukten eingesetzt, darunter Wurstwaren, Schmelzkäse und viele Fertiggerichte.

Das NOVA-Klassifikationssystem, das von brasilianischen Ernährungswissenschaftlern entwickelt wurde, teilt Lebensmittel in vier Gruppen ein: unverarbeitete oder minimal verarbeitete Lebensmittel (Gruppe 1), kulinarische Zutaten (Gruppe 2), verarbeitete Lebensmittel (Gruppe 3) und ultra-verarbeitete Lebensmittel (Gruppe 4). Fertiggerichte fallen in der Regel in Gruppe 4 und sind damit die am stärksten verarbeiteten Produkte. Das System hat jedoch auch Kritiker, die auf seine Grenzen hinweisen: Nicht alle Produkte in Gruppe 4 sind gleich ungesund, und die Klassifizierung berücksichtigt nicht immer die tatsächliche Nährstoffzusammensetzung.

Aktuelle Studienergebnisse: Fertiggerichte erhöhen Sterberisiko

Die im Januar 2025 veröffentlichte EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) ist eine der umfangreichsten Untersuchungen zum Thema hochverarbeitete Lebensmittel und Gesundheit. Die Studie beobachtete fast 430.000 Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern über mehrere Jahre und analysierte den Zusammenhang zwischen dem Konsum von UPF und verschiedenen Gesundheitsrisiken.

Die Ergebnisse sind alarmierend: Jede Steigerung des täglichen UPF-Konsums um 10 Prozent geht mit einem um 4 Prozent erhöhten allgemeinen Sterberisiko einher. Bei einer Steigerung um 20 Prozent steigt das Sterberisiko sogar um 8 Prozent. Besonders ausgeprägt sind die Risiken für spezifische Erkrankungen: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt um 9 Prozent, das Schlaganfallrisiko um 11 Prozent, das Risiko für Verdauungserkrankungen um 12 Prozent und das Parkinson-Risiko sogar um 23 Prozent. Kein klarer Zusammenhang wurde in dieser Studie mit Krebs oder Alzheimer gefunden.

Eine frühere französisch-brasilianische Studie, die über 18 Jahre lief und 104.980 Teilnehmer umfasste, hatte bereits einen Zusammenhang zwischen hochverarbeiteten Lebensmitteln und einem erhöhten Krebsrisiko nachgewiesen. Demnach steigt das allgemeine Krebsrisiko um 12 Prozent für jede Steigerung des UPF-Konsums um 10 Prozent. Das Brustkrebsrisiko erhöht sich um 11 Prozent. Die Forscher führten dies auf den hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz sowie den niedrigen Gehalt an Ballaststoffen und Vitaminen in hochverarbeiteten Lebensmitteln zurück. Auch Verpackungsinhaltsstoffe wie Bisphenol A und Zusatzstoffe wie Natriumnitrit oder Titandioxid wurden als mögliche Mitverursacher diskutiert.

Experteneinschätzungen: Was sagen Ernährungswissenschaftler?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat in ihrem 15. Ernährungsbericht die Auswirkungen hochverarbeiteter Lebensmittel auf die Gesundheit ausführlich analysiert. Die DGE kommt zu dem Schluss, dass Erwachsene, die viele UPF konsumieren, ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Adipositas und damit verbundene Stoffwechselerkrankungen haben. Auch das Risiko für Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt mit zunehmendem UPF-Konsum. Die DGE empfiehlt, den Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel in der Ernährung zu reduzieren und stattdessen auf frische, minimal verarbeitete Produkte zu setzen.

Forscher des Max-Planck-Instituts in Deutschland haben zudem nachgewiesen, dass zucker- und fettreiche Lebensmittel das Gehirn verändern können. Sie aktivieren das Belohnungssystem und lösen die Ausschüttung von Dopamin aus – dem sogenannten Glückshormon. Durch wiederholten Konsum entsteht eine erlernte Präferenz für diese Lebensmittel, die es schwer macht, auf sie zu verzichten. Dieser Mechanismus erklärt, warum viele Menschen trotz besseren Wissens immer wieder zu Chips, Pizza und anderen hochverarbeiteten Produkten greifen. Die Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Suchtpotenzial" hochverarbeiteter Lebensmittel.

Eine britische Studie mit 55 übergewichtigen Teilnehmern zeigte, dass Probanden, die hochverarbeitete Lebensmittel konsumierten, über acht Wochen nur halb so viel Gewicht verloren wie Teilnehmer, die sich von minimal verarbeiteten Lebensmitteln ernährten – obwohl beide Gruppen ähnliche Kalorien- und Nährstoffmengen zu sich nahmen. Die Teilnehmer der Gruppe mit frischen, wenig verarbeiteten Mahlzeiten berichteten zudem von weniger Heißhunger und einem besseren Sättigungsgefühl. Diese Ergebnisse legen nahe, dass nicht nur die Kalorienmenge, sondern auch die Art der Verarbeitung von Lebensmitteln eine wichtige Rolle für das Körpergewicht spielt.

Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung in Deutschland

Der hohe Konsum von Fertiggerichten und hochverarbeiteten Lebensmitteln hat weitreichende Auswirkungen auf das deutsche Gesundheitssystem. Übergewicht und Adipositas, die eng mit dem UPF-Konsum zusammenhängen, sind in Deutschland weit verbreitet: Laut Statistischem Bundesamt sind mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland übergewichtig, rund ein Viertel sogar adipös. Die damit verbundenen Folgeerkrankungen – Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkprobleme – verursachen enorme Kosten für das Gesundheitssystem und belasten die Krankenkassen erheblich.

Experten fordern daher politische Maßnahmen, um den Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel zu reduzieren. Dazu gehören Werbeverbote für ungesunde Lebensmittel, insbesondere gegenüber Kindern, sowie Steuern auf zuckerhaltige Getränke und hochverarbeitete Produkte. Subventionen für frische, unverarbeitete Lebensmittel könnten dazu beitragen, gesunde Ernährung für alle Bevölkerungsgruppen erschwinglich zu machen. Einige europäische Länder, darunter Großbritannien und Frankreich, haben bereits entsprechende Maßnahmen eingeführt und positive Ergebnisse erzielt.

Auch die Kennzeichnung von Lebensmitteln steht im Fokus der Debatte. Der Nutri-Score, der in Deutschland auf vielen Produkten zu finden ist, bewertet die Nährstoffzusammensetzung eines Produkts, berücksichtigt aber nicht den Grad der Verarbeitung. Experten fordern eine ergänzende Kennzeichnung, die den Verarbeitungsgrad transparent macht und Verbrauchern eine fundierte Kaufentscheidung ermöglicht. Ein solches System würde es Verbrauchern erleichtern, hochverarbeitete Produkte auf den ersten Blick zu erkennen und bewusster einzukaufen.

Ausblick: Wie können Verbraucher ihre Ernährung verbessern?

Trotz der besorgniserregenden Studienergebnisse gibt es gute Nachrichten: Bereits eine moderate Reduktion des UPF-Konsums kann das Gesundheitsrisiko signifikant senken. Experten empfehlen, den Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel in der Ernährung um mindestens 10 Prozent zu reduzieren und stattdessen auf frische, minimal verarbeitete Lebensmittel zu setzen. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und unverarbeitetes Fleisch oder Fisch sind die Grundlage einer gesunden Ernährung.

Praktische Tipps für den Alltag: Wer mehr selbst kocht, hat die Kontrolle über die Zutaten und vermeidet unnötige Zusatzstoffe. Meal Prep – das Vorkochen von Mahlzeiten für mehrere Tage – kann helfen, auch bei wenig Zeit auf Fertiggerichte zu verzichten. Beim Einkauf lohnt es sich, die Zutatenliste zu lesen: Je kürzer und verständlicher die Liste, desto weniger verarbeitet ist das Produkt in der Regel. Produkte mit mehr als fünf Zutaten oder mit Inhaltsstoffen, die man nicht aus der eigenen Küche kennt, sind oft hochverarbeitet.

Das Thema Fertiggerichte Gesundheit Deutschland wird die öffentliche Debatte in den kommenden Jahren weiter prägen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig: Hochverarbeitete Lebensmittel stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Es liegt sowohl an der Politik als auch an jedem Einzelnen, die richtigen Konsequenzen zu ziehen und für eine gesündere Ernährungskultur in Deutschland zu sorgen. Eine ausgewogene Ernährung mit frischen, wenig verarbeiteten Lebensmitteln ist der beste Schutz vor den beschriebenen Gesundheitsrisiken.