Das Politbarometer ZDF aktuell vom April 2026 liefert einen politischen Paukenschlag: Die AfD überholt erstmals die CDU/CSU in der Sonntagsfrage und liegt mit 26 Prozent vor der Union mit 25 Prozent. Die SPD erreicht mit 12 Prozent ein neues Rekordtief, und Bundeskanzler Friedrich Merz verzeichnet die schlechtesten Zustimmungswerte seiner Amtszeit. Die Ergebnisse der Forschungsgruppe Wahlen zeichnen ein alarmierendes Bild der politischen Stimmung in Deutschland und stellen die Bundesregierung vor enorme Herausforderungen.
Methodik und Durchführung der Umfrage
Das ZDF-Politbarometer vom April 2026 wurde von der Forschungsgruppe Wahlen zwischen dem 14. und 16. April 2026 durchgeführt. Befragt wurden 1.355 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in Deutschland per Telefon und online. Die Umfrage gilt als eine der renommiertesten politischen Stimmungsbarometer in Deutschland und wird monatlich veröffentlicht. Die Ergebnisse spiegeln die aktuelle politische Stimmung wider und sind kein Abbild eines tatsächlichen Wahlergebnisses, geben jedoch wichtige Hinweise auf Trends und Verschiebungen im Wählerverhalten. Das nächste Politbarometer ist für Freitag, den 8. Mai 2026, angekündigt.
AfD erstmals vor CDU/CSU: Ein historischer Moment in der deutschen Politik
Das herausragende Ergebnis des April-Politbarometers ist der erstmalige Vorsprung der AfD vor der CDU/CSU in der Sonntagsfrage. Die AfD erreicht 26 Prozent (unverändert gegenüber dem Vormonat), während die CDU/CSU auf 25 Prozent fällt (minus 1 Prozentpunkt). Dieser Wechsel an der Spitze der Umfragen ist historisch bedeutsam und markiert einen Wendepunkt in der deutschen Parteienlandschaft. Noch nie zuvor hat die AfD in einer bundesweiten Umfrage die CDU/CSU überholt.
Besonders dramatisch ist der Vergleich mit dem März 2026: Damals lag die CDU/CSU noch bei 26 Prozent, die AfD bei 22 Prozent. Innerhalb eines Monats hat die AfD vier Prozentpunkte zugelegt, während die Union einen Punkt verlor. Dieser Trend bereitet den Koalitionspartnern erhebliche Sorgen, denn die aktuelle Schwarz-Rot-Koalition aus CDU/CSU und SPD hätte laut Politbarometer keine parlamentarische Mehrheit mehr. Politikexperten sehen in diesem Ergebnis ein deutliches Warnsignal für die etablierten Parteien und ein Zeichen der tiefen Unzufriedenheit mit der politischen Klasse.
SPD auf Rekordtief: Historisch schlechte Werte für die Sozialdemokraten
Die SPD erreicht mit 12 Prozent ein neues Rekordtief in der Geschichte des Politbarometers. Gegenüber dem März 2026 verliert die Partei einen weiteren Prozentpunkt. Die Sozialdemokraten, die noch vor wenigen Jahren als Volkspartei galten, kämpfen um ihre politische Relevanz. Die Grünen verlieren ebenfalls deutlich und fallen von 23 Prozent im März auf 14 Prozent im April – ein Rückgang von neun Prozentpunkten innerhalb eines Monats, der als politisches Erdbeben gewertet werden kann.
Zu den Gewinnern zählt die Linke, die von 9 auf 11 Prozent zulegt. Die FDP liegt bei 3 Prozent und würde damit den Einzug in den Bundestag verpassen. Sonstige Parteien kommen zusammen auf 9 Prozent, ohne dass eine einzelne Partei die 3-Prozent-Hürde überschreitet. Die Verteilung der Stimmen würde bedeuten, dass die aktuelle Schwarz-Rot-Koalition keine parlamentarische Mehrheit mehr hätte und Deutschland vor einer schwierigen Regierungsbildung stünde.
Merz auf Rekordtief: Massive Unzufriedenheit mit der Bundesregierung
Bundeskanzler Friedrich Merz verzeichnet im April-Politbarometer die schlechtesten Zustimmungswerte seiner Amtszeit. 65 Prozent der Befragten bewerten seine Arbeit als schlecht (März: 57 Prozent), nur noch 30 Prozent als gut (März: 38 Prozent). Auf der Sympathie- und Leistungsskala von plus 5 bis minus 5 fällt Merz von minus 0,5 im März auf minus 1,1 im April – ein Absturz von fünf Plätzen in der Rangliste der Politiker. Dieser dramatische Rückgang innerhalb eines Monats ist beispiellos in der Geschichte des Politbarometers.
Auch die Gesamtzufriedenheit mit der Bundesregierung ist auf einem Tiefpunkt: Nur 27 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit der Regierung zufrieden (März: 34 Prozent), während 63 Prozent die Regierungsarbeit als schlecht bewerten (März: 61 Prozent). Die Koalitionskooperation zwischen CDU/CSU und SPD wird von nur 18 Prozent als gut eingeschätzt, 73 Prozent sehen sie als schlecht an. Zum Vergleich: Im Mai 2025 erwarteten noch 51 Prozent eine gute Zusammenarbeit, im August 2025 waren es noch 32 Prozent. Der Vertrauensverlust in die Koalition ist dramatisch und beschleunigt sich.
Beliebteste und unbeliebteste Politiker im Überblick
Boris Pistorius (Verteidigungsminister) bleibt trotz eines leichten Rückgangs der beliebteste Politiker Deutschlands mit einem Durchschnittswert von 1,7 (März: 2,0). Auf Platz zwei folgt der neu in die Rangliste aufgenommene Cem Özdemir mit 0,9 Punkten. Johann Wadephul kommt auf 0,3 Punkte. Diese drei Politiker sind die einzigen, die noch positive Werte erzielen und damit das Vertrauen einer Mehrheit der Bevölkerung genießen.
Im negativen Bereich finden sich Lars Klingbeil (Finanzminister) mit minus 0,4, Bärbel Bas mit minus 0,6 und Heidi Reichinnek mit minus 0,8. Markus Söder liegt bei minus 0,9. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche verzeichnet mit minus 1,6 einen der schlechtesten Werte: 64 Prozent bewerten ihre Arbeit als schlecht, nur 19 Prozent als gut. Kanzler Friedrich Merz fällt auf minus 1,1, während Alice Weidel mit minus 2,4 die unbeliebteste Politikerin in der Rangliste bleibt.
Energiepreise: Das drängendste Thema der Deutschen
Das Politbarometer ZDF aktuell zeigt auch, welche Themen die Deutschen im April 2026 am meisten beschäftigen. 81 Prozent der Befragten glauben, dass die Bundesregierung zu wenig gegen steigende Energiepreise unternimmt. Die angekündigte Senkung der Kraftstoffsteuer um 17 Cent für zwei Monate wird von 47 Prozent befürwortet, von 48 Prozent abgelehnt. Bemerkenswert: 91 Prozent zweifeln daran, dass Mineralölkonzerne diese Entlastung vollständig an die Verbraucher weitergeben werden. Diese Skepsis gegenüber der Wirksamkeit staatlicher Maßnahmen ist ein Zeichen des schwindenden Vertrauens in die Handlungsfähigkeit der Regierung.
Beim Thema Energiewende zeigt sich eine klare Mehrheitsmeinung: 57 Prozent glauben, dass die Energiewende zu langsam voranschreitet, wobei diese Kritik besonders stark unter jüngeren Befragten unter 35 Jahren ist (67 Prozent). 15 Prozent finden das Tempo zu schnell, 21 Prozent halten es für angemessen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Energiepolitik das zentrale Thema ist, an dem die Bundesregierung gemessen wird.
Iran-Krieg und internationale Politik
Beim Thema Iran-Krieg zeigt sich eine klare Haltung der deutschen Bevölkerung: 87 Prozent erwarten kein baldiges Ende des Krieges zwischen den USA und Israel gegen den Iran. 93 Prozent sprechen sich gegen einen deutschen Militäreinsatz aus, wie ihn US-Präsident Trump gefordert hat. Diese Zahlen verdeutlichen die tiefe Skepsis der Deutschen gegenüber militärischen Abenteuern und die Sehnsucht nach diplomatischen Lösungen. Die überwältigende Ablehnung eines deutschen Militäreinsatzes zeigt, dass die Bevölkerung die Lehren aus der Geschichte gezogen hat.
Nach der Niederlage von Viktor Orbáns Partei bei der Ungarn-Wahl zeigen sich die Deutschen optimistisch für die Zukunft der EU: 74 Prozent erwarten eine bessere Zusammenarbeit innerhalb der EU, und 60 Prozent gehen davon aus, dass die EU ohne Orbán eine stärkere internationale Position einnehmen wird. Diese Zahlen spiegeln die Hoffnung wider, dass die EU nach Jahren der inneren Zerrissenheit wieder handlungsfähiger werden könnte.
Politische Konsequenzen und Ausblick
Die Ergebnisse des April-Politbarometers stellen die Bundesregierung vor enorme Herausforderungen. Die Tatsache, dass die Schwarz-Rot-Koalition laut aktuellen Umfragen keine parlamentarische Mehrheit mehr hätte, erhöht den Druck auf CDU/CSU und SPD, ihre Politik zu überdenken und stärker auf die Sorgen der Bevölkerung einzugehen. Politikexperten sehen in den Ergebnissen ein Warnsignal für die etablierten Parteien.
Der Aufstieg der AfD auf Platz eins in der Sonntagsfrage ist nicht nur ein statistisches Ereignis, sondern spiegelt eine tiefe Unzufriedenheit mit der politischen Klasse wider. Die Frage, wie CDU/CSU und SPD auf diese Herausforderung reagieren werden, wird die politische Agenda der kommenden Monate bestimmen. Kanzler Merz steht unter enormem Druck, seine Regierungsarbeit zu verbessern und das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Das Politbarometer ZDF aktuell ist ein klares Signal: Deutschland braucht eine Politik, die die Sorgen der Menschen ernst nimmt und konkrete Lösungen für die drängenden Probleme des Landes bietet.




