Der Eurovision Song Contest 2025 in Basel ist Geschichte – und was für eine Geschichte! Österreich triumphierte mit dem Countertenor JJ und seinem Lied "Wasted Love" und holte den begehrten Pokal mit 436 Punkten nach Wien. Deutschland hingegen musste sich mit Platz 15 begnügen: Das Duo Abor & Tynna erreichte mit "Baller" lediglich 151 Punkte – ein Ergebnis, das ESC-Experte Stefan Raab als "Debakel" bezeichnete. Der Eurovision Song Contest 2025 war jedoch weit mehr als nur ein Wettbewerb: Er war ein Spektakel der Emotionen, der Musik und der europäischen Vielfalt.

Hintergrund: Der Eurovision Song Contest und seine Bedeutung

Der Eurovision Song Contest ist einer der ältesten und meistgesehenen Musikwettbewerbe der Welt. Seit 1956 treten Länder aus ganz Europa und darüber hinaus gegeneinander an, um den besten Song des Jahres zu küren. Der Wettbewerb hat im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Karrieren gestartet – von ABBA über Celine Dion bis hin zu Lena Meyer-Landrut, die 2010 den Sieg für Deutschland holte.

Die 69. Ausgabe des Eurovision Song Contests fand in Basel, Schweiz, statt – als Gastgeber nach dem Sieg der Schweiz im Vorjahr. Die St. Jakobshalle mit ihren 12.400 Plätzen war der Hauptveranstaltungsort, während das Eurovision Village und der EuroClub im Messe- und Kongresszentrum Basel untergebracht waren. Insgesamt 37 Länder nahmen teil, 26 davon qualifizierten sich für das Finale am 17. Mai 2025. Die "Big Five" – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien – sind als Hauptfinanziers der Europäischen Rundfunkunion (EBU) automatisch für das Finale qualifiziert.

Das Motto des Wettbewerbs lautete "United By Music" – ein Bekenntnis zur verbindenden Kraft der Musik in einer Zeit, in der Europa mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert ist. 166 Millionen Zuschauer in 37 europäischen Märkten verfolgten das Finale – drei Millionen mehr als im Vorjahr. Moderiert wurde die Veranstaltung von Hazel Brugger und Sandra Studer, mit Michelle Hunziker als Gastmoderatorin im Finale.

Aktuelle Entwicklung: JJ triumphiert, Deutschland enttäuscht

Der Abend des 17. Mai 2025 gehörte JJ aus Österreich. Der Countertenor, der mit bürgerlichem Namen Johannes Pietsch heißt, begeisterte das Publikum in der St. Jakobshalle und Millionen von Zuschauern vor den Bildschirmen mit seiner einzigartigen Mischung aus Oper und Pop. Sein Lied "Wasted Love" wurde auf einer dramatischen Film-Noir-Bühne mit einem schaukelnden Segelboot inszeniert – eine visuelle und akustische Meisterleistung, die sowohl die Jury als auch das Televoting-Publikum überzeugte. Mit 436 Punkten setzte sich JJ klar an die Spitze.

Auf dem zweiten Platz landete Israel mit Yuval Raphael und "New Day Will Rise" (357 Punkte). Raphael, die mit ihrem emotionalen Auftritt über Verlust und Hoffnung das Televoting-Publikum begeisterte (297 Punkte aus dem Televoting), war die Favoritin des Publikums. Estlands Tommy Cash komplettierte das Podium mit "Espresso Macchiato" (356 Punkte) – ein humorvoller und kreativer Beitrag, der die Eigenheiten der europäischen Kaffeekulturen feierte. Schweden belegte mit KAJ und "Bara bada bastu" den vierten Platz (321 Punkte).

Deutschland, vertreten durch das Geschwisterduo Abor & Tynna – Attila und Tünde Bornemisza aus Wien – belegte mit "Baller" den 15. Platz mit 151 Punkten. 77 Punkte kamen von den internationalen Jurys, 74 Punkte vom Televoting. Die Ukraine und Tschechien vergaben jeweils 12 Jury-Punkte an Deutschland, während Österreich dem deutschen Beitrag die maximalen 12 Televoting-Punkte gab. Stefan Raab, der die nationale Vorauswahl "Chefsache ESC 2025 – Wer singt für Deutschland?" in Zusammenarbeit mit ARD und RTL organisiert hatte, bezeichnete das Ergebnis als "Debakel", übernahm aber die Verantwortung und prognostizierte dem Duo eine erfolgreiche Karriere.

Experteneinschätzungen: Zwischen Enttäuschung und Hoffnung

Die Reaktionen auf Deutschlands Abschneiden beim Eurovision Song Contest 2025 waren gemischt. Stefan Raab, der als ESC-Experte und Organisator der deutschen Vorauswahl eine zentrale Rolle spielte, zeigte sich enttäuscht, aber nicht entmutigt. "Der ESC misst sich am Ergebnis, und das war nicht so gut wie erhofft", sagte Raab. Gleichzeitig betonte er die hohen Streaming-Zahlen von "Baller" nach dem Wettbewerb: Der Song stieg in den Streaming-Charts mehrerer europäischer Länder auf und war in Deutschland und Österreich während des ESC-Wochenendes einer der meistgestreamten Beiträge.

Musikexperten wiesen darauf hin, dass Deutschlands Abschneiden beim ESC seit dem Sieg von Lena Meyer-Landrut im Jahr 2010 generell schwächer geworden ist. Die Herausforderung für Deutschland besteht darin, einen Song zu finden, der sowohl die internationalen Jurys als auch das breite Televoting-Publikum anspricht – eine Aufgabe, die sich als schwieriger erweist als erwartet. Einige Analysten schlugen vor, dass Deutschland mehr auf authentische, zeitgemäße Musik setzen sollte, anstatt zu versuchen, den Geschmack des ESC-Publikums zu antizipieren.

Eine alternative Analyse auf Reddit, die Punkte von 25 für den ersten Platz bis 0 für den 26. Platz vergab, sah Deutschland auf dem achten Platz – ein Hinweis darauf, dass "Baller" im Vergleich zu anderen Beiträgen gar nicht so schlecht abschnitt, wie das offizielle Ergebnis vermuten lässt. Viele ESC-Fans und das Live-Publikum in Basel reagierten positiv auf den Auftritt von Abor & Tynna.

Auswirkungen: Kontroversen und gesellschaftliche Debatten

Der Eurovision Song Contest 2025 war nicht frei von Kontroversen. Die Teilnahme Israels angesichts des anhaltenden Gaza-Krieges sorgte für Proteste in Basel. Mehrere Hundert Demonstranten versammelten sich im Stadtzentrum und versuchten, zum Veranstaltungsort zu marschieren, was zu Polizeieinsätzen führte. Während des Auftritts von Yuval Raphael drangen zwei Personen in die Arena ein und warfen Farbe, die einen Crewmitarbeiter traf. Beide wurden von der Polizei festgenommen.

Die Debatte über Israels Teilnahme am ESC spiegelt die breiteren gesellschaftlichen Spannungen in Europa wider. Während einige argumentieren, dass der ESC ein unpolitischer Musikwettbewerb sein sollte, betonen andere, dass Musik und Politik nicht voneinander getrennt werden können. Die EBU hielt an ihrer Entscheidung fest, Israel teilnehmen zu lassen, und betonte die Bedeutung des Wettbewerbs als Plattform für Dialog und Verständigung.

Für die Schweiz als Gastgeberland war der ESC 2025 ein großer Erfolg. Basel präsentierte sich als weltoffene, kulturell vielfältige Stadt, und die Veranstaltung brachte erhebliche wirtschaftliche Impulse für die Region. Das öffentliche Screening im St. Jakob-Park-Stadion, das 36.000 Zuschauer fasste, war ausverkauft und zeigte die Begeisterung der Schweizer Bevölkerung für den Wettbewerb.

Ausblick: Was kommt nach Basel?

Mit dem Sieg von JJ aus Österreich wird der Eurovision Song Contest 2026 voraussichtlich in Österreich stattfinden – wahrscheinlich in Wien, der Hauptstadt des Landes. Für Deutschland bedeutet das Ergebnis von Basel eine erneute Reflexion über die eigene ESC-Strategie. Die Frage, wie Deutschland beim Eurovision Song Contest 2025 und in Zukunft besser abschneiden kann, wird die Verantwortlichen bei ARD und den zuständigen Redaktionen beschäftigen.

Abor & Tynna haben trotz des 15. Platzes gezeigt, dass sie das Potenzial haben, eine erfolgreiche Karriere in der europäischen Musikszene zu machen. "Baller" hat bewiesen, dass deutsche Musik international ankommt – auch wenn der ESC-Wettbewerb selbst nicht das erhoffte Ergebnis brachte. Der Eurovision Song Contest 2025 bleibt ein unvergessliches Ereignis, das die Kraft der Musik als verbindendes Element in Europa einmal mehr unter Beweis gestellt hat.

Deutschland beim ESC: Eine Analyse der Schwächen

Deutschlands Abschneiden beim Eurovision Song Contest ist seit Jahren ein Thema, das die Musikbranche und die Öffentlichkeit beschäftigt. Seit dem Sieg von Lena Meyer-Landrut im Jahr 2010 mit "Satellite" hat Deutschland keinen Top-5-Platz mehr erreicht. Die Gründe dafür sind vielfältig: Einerseits hat sich der ESC in den vergangenen Jahren stark verändert und ist internationaler und vielfältiger geworden. Andererseits hat Deutschland oft Schwierigkeiten gehabt, einen Song zu finden, der sowohl die Jurys als auch das breite Televoting-Publikum anspricht.

Stefan Raabs Engagement für den deutschen ESC-Beitrag war ein Versuch, diese Schwäche zu überwinden. Mit seiner Erfahrung und seinem Netzwerk in der Musikbranche sollte er Deutschland wieder in die Erfolgsspur bringen. Das Ergebnis von Platz 15 zeigt, dass dies noch nicht gelungen ist. Für die Zukunft wird es entscheidend sein, einen authentischen deutschen Beitrag zu entwickeln, der die Stärken der deutschen Musikszene widerspiegelt und gleichzeitig international anschlussfähig ist.