Kaufland, einer der größten Supermarktkonzerne Deutschlands, befindet sich im Jahr 2025 in einer Phase des massiven Wachstums und tiefgreifender Veränderungen. Mit bis zu 20 geplanten Neueröffnungen, der Übernahme ehemaliger Real- und Globus-Standorte und milliardenschweren Investitionen in Digitalisierung und Nachhaltigkeit setzt der Kaufland Supermarkt neue Maßstäbe im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Gleichzeitig steht das Unternehmen vor Herausforderungen durch Produktrückrufe und veränderte Verbrauchererwartungen.
Hintergrund: Kaufland und die Schwarz-Gruppe
Kaufland gehört zur Schwarz-Gruppe, dem größten Lebensmitteleinzelhändler Europas, zu dem auch Lidl gehört. Gegründet von Dieter Schwarz, der laut Manager Magazin mit einem Vermögen von 46,5 Milliarden Euro erneut der reichste Deutsche ist, hat sich Kaufland zu einer der dominierenden Kräfte im deutschen Supermarktmarkt entwickelt. Mit Hauptsitz in Neckarsulm betreibt das Unternehmen bundesweit mehrere hundert Filialen und beschäftigt Zehntausende von Mitarbeitern.
Die Strategie des Unternehmens ist klar: Wachstum durch Übernahme von Standorten der Konkurrenz, Modernisierung des Filialnetzes und Investitionen in Technologie. Dabei profitiert Kaufland von der Marktbereinigung der vergangenen Jahre, bei der Wettbewerber wie Real und Globus erheblich an Boden verloren haben.
Aktuelle Entwicklung: Expansionswelle 2025
Das Jahr 2025 ist für Kaufland ein Jahr der Expansion. Bis zu 20 neue Filialen sollen bundesweit eröffnet werden, wobei der Schwerpunkt auf der Übernahme ehemaliger Real- und Globus-Standorte liegt. Bereits in den ersten Monaten des Jahres wurden zahlreiche neue Märkte eröffnet:
Im Februar 2025 öffneten gleich mehrere neue Kaufland-Filialen ihre Türen: In Ludwigshafen-Oggersheim entstand der erste Kaufland der Stadt auf einer ehemaligen Real-Fläche mit rund 5.700 Quadratmetern Verkaufsfläche und 120 neuen Arbeitsplätzen. In Bedburg (NRW) übernahm Kaufland eine ehemalige Globus Markthalle und übernahm dabei rund 90 frühere Globus-Mitarbeiter. In Ingelheim am Rhein schuf die Neueröffnung etwa 100 neue Stellen. Weitere Eröffnungen folgten in Jettingen (Baden-Württemberg) und Karlsruhe-Bulach.
Im April und Mai 2025 folgten weitere Standorte: In Landsberg-Peißen (Sachsen-Anhalt) eröffnete ein modernisierter Markt im Halle-Center Peißen nach sechsmonatiger Renovierung. In Heidenau (Sachsen) investierte Kaufland rund 16 Millionen Euro in die Modernisierung einer ehemaligen Real-Filiale. Für die zweite Jahreshälfte sind weitere Eröffnungen in Essen, Chemnitz und anderen Städten geplant. Kaufland erwartet, seine 800. Filiale in Deutschland im Jahr 2026 zu eröffnen.
Modernisierung und Digitalisierung
Neben der Expansion setzt Kaufland auf umfassende Modernisierung. Alle neuen und renovierten Filialen werden mit Selbstbedienungskassen und dem K-Scan-System ausgestattet, das den Einkaufsprozess beschleunigen soll. Energiesparende Technologien wie Wärmerückgewinnung aus Kühlsystemen und klimaneutrale Heizsysteme werden in neuen Filialen standardmäßig eingesetzt.
Besonders ambitioniert sind die Pläne der Schwarz-Gruppe im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz: Das Unternehmen investiert elf Milliarden Euro in ein Rechenzentrum im Spreewald, das mit 100.000 KI-Chips ausgestattet werden soll. Damit will die Schwarz-Gruppe nicht nur eigene Daten verarbeiten, sondern auch Cloud-Dienste für externe Kunden anbieten – ein strategischer Schritt in Richtung Technologieunternehmen.
Für Kunden sichtbar sind auch kleinere Veränderungen: Seit dem 1. Januar 2025 kostet die Plastiktüte für Obst und Gemüse einen Cent – eine Maßnahme zur Förderung der Nachhaltigkeit. Das neue Bonusprogramm Kaufland Card Xtra bietet Kunden zusätzliche Vorteile. Die Umstrukturierung der Frischetheken soll das Einkaufserlebnis verbessern.
Experteneinschätzungen: Kaufland als Marktführer
Handelsexperten sehen Kaufland auf einem klaren Wachstumskurs. „Die Übernahme ehemaliger Real- und Globus-Standorte ist eine clevere Strategie", erklärt Dr. Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln. „Kaufland sichert sich damit attraktive Lagen zu vergleichsweise günstigen Konditionen und kann gleichzeitig Mitarbeiter übernehmen, die den lokalen Markt kennen."
Die Investitionen in Digitalisierung und KI werden von Analysten als zukunftsweisend bewertet. „Der Lebensmitteleinzelhandel steht vor einem fundamentalen Wandel durch Technologie", so Handelsanalystin Prof. Dr. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. „Wer jetzt in KI und Dateninfrastruktur investiert, wird in fünf bis zehn Jahren erhebliche Wettbewerbsvorteile haben."
Auswirkungen: Produktrückrufe und Verbrauchervertrauen
Trotz des Wachstumskurses war Kaufland 2025 auch mit Herausforderungen konfrontiert. Mehrere Produktrückrufe sorgten für Schlagzeilen: Im Juni 2025 wurden Glasscherben in K-Classic-Gemüsemais gefunden, im selben Monat musste Katzenfutter wegen möglicher Plastikpartikel zurückgerufen werden. Im Juli 2025 folgte ein Rückruf eines Beerenmix wegen möglicher Hepatitis-Viren-Kontamination.
Verbraucherschützer betonen, dass Rückrufe zwar unangenehm sind, aber auch zeigen, dass die Kontrollsysteme funktionieren. „Ein Rückruf ist immer besser als ein Schweigen", erklärt Foodwatch-Sprecher Martin Rücker. „Kaufland hat in den meisten Fällen schnell und transparent reagiert." Dennoch mahnen Experten zu verstärkten Qualitätskontrollen entlang der gesamten Lieferkette.
Für Verbraucher bedeuten die Veränderungen bei Kaufland insgesamt mehr Auswahl, modernere Einkaufserlebnisse und – durch die Selbstbedienungskassen – kürzere Wartezeiten. Die Milchpreissenkung, die Kaufland nach dem Vorbild von Aldi vornahm, entlastet Haushalte mit niedrigem Einkommen. Gleichzeitig sorgen neue Parkregeln und veränderte Prospektverteilung für Diskussionen unter Stammkunden.
Ausblick: Kaufland auf dem Weg zur 800. Filiale
Die Expansionsstrategie von Kaufland zeigt, dass der Konzern fest an das Wachstumspotenzial des stationären Lebensmitteleinzelhandels glaubt – trotz des wachsenden Online-Lebensmittelhandels. Mit der geplanten 800. Filiale in Deutschland im Jahr 2026 setzt Kaufland ein klares Signal: Der Supermarkt bleibt das Herzstück der deutschen Lebensmittelversorgung.
Die Kombination aus Flächenexpansion, Digitalisierung und Nachhaltigkeitsinitiativen positioniert Kaufland als einen der innovativsten Akteure im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Ob das Unternehmen seine ambitionierten Ziele erreicht, wird auch davon abhängen, wie es mit den Herausforderungen durch Produktrückrufe, veränderte Verbrauchererwartungen und den wachsenden Wettbewerb durch Online-Händler umgeht. Der Kaufland Supermarkt bleibt jedenfalls ein zentraler Akteur in der deutschen Handelslandschaft – und seine Entwicklung im Jahr 2025 ist ein Spiegelbild der Transformation des gesamten Sektors.
Kaufland und die Zukunft des Lebensmitteleinzelhandels
Die Expansionsstrategie von Kaufland muss im Kontext des sich wandelnden Lebensmitteleinzelhandels verstanden werden. Der Online-Lebensmittelhandel wächst zwar, aber langsamer als erwartet. Viele Verbraucher schätzen nach wie vor den stationären Einkauf – die Möglichkeit, Produkte zu sehen, zu riechen und spontan zu entscheiden. Kaufland setzt auf diesen Trend und investiert in ein Einkaufserlebnis, das Online-Händler nicht bieten können.
Frischetheken mit regionalen Produkten, Bäckereien im Markt und ein breites Sortiment von über 40.000 Artikeln – darunter bis zu 2.300 regionale Produkte in einzelnen Filialen – sind Kauflands Antwort auf die Konkurrenz durch Amazon Fresh und andere Online-Händler. Das „Wertschätze"-Programm für Fleischprodukte, das auf verantwortungsvolle Tierhaltung und faire Bezahlung der Lieferanten setzt, spricht zunehmend bewusste Verbraucher an.
Auch die Preispolitik ist ein wichtiges Instrument: Die Milchpreissenkung nach dem Vorbild von Aldi zeigt, dass Kaufland bereit ist, in Preiskämpfen mitzumachen, um Marktanteile zu sichern. Gleichzeitig positioniert sich das Unternehmen durch Qualitätsprodukte und regionale Sortimente als mehr als nur ein Discounter.
Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor
Nachhaltigkeit ist für Kaufland nicht nur ein Marketingthema, sondern ein strategischer Wettbewerbsfaktor. Die neuen Filialen werden mit energiesparenden Technologien ausgestattet: Wärmerückgewinnung aus Kühlsystemen, LED-Beleuchtung, Photovoltaikanlagen auf Dächern und Elektroladesäulen auf Parkplätzen. Die Filiale in Heidenau wurde mit moderner Gebäudetechnik für klimaneutrales Heizen ausgestattet – ein Pilotprojekt, das auf andere Standorte ausgeweitet werden soll.
Die Einführung der Plastiktütengebühr für Obst und Gemüse ab Januar 2025 ist ein weiterer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Auch wenn ein Cent pro Tüte symbolisch erscheint, hat die Maßnahme eine Signalwirkung und trägt zur Bewusstseinsbildung bei Verbrauchern bei. Kaufland hat angekündigt, bis 2030 alle Eigenmarkenverpackungen auf recycelbare oder wiederverwendbare Materialien umzustellen.
Kaufland im Wettbewerb: Aldi, Lidl und Rewe
Im hart umkämpften deutschen Lebensmitteleinzelhandel steht Kaufland in direktem Wettbewerb mit Aldi, Lidl, Rewe und Edeka. Jeder dieser Konzerne verfolgt eine eigene Strategie, um Marktanteile zu gewinnen und zu halten. Aldi und Lidl setzen auf Discountpreise und ein schlankes Sortiment, während Rewe und Edeka auf Qualität und Service setzen. Kaufland versucht, das Beste aus beiden Welten zu vereinen: breites Sortiment, gute Qualität und wettbewerbsfähige Preise.
Die Milchpreissenkung, die Kaufland nach dem Vorbild von Aldi vornahm, zeigt, dass der Konzern bereit ist, in Preiskämpfen mitzumachen. Gleichzeitig differenziert sich Kaufland durch sein breites Sortiment von über 40.000 Artikeln – deutlich mehr als ein typischer Discounter. Diese Positionierung als „Vollsortimenter mit Discountpreisen" ist Kauflands Kernstrategie im Wettbewerb.
Die Investitionen in Selbstbedienungskassen und das K-Scan-System sind auch eine Reaktion auf den Wettbewerb: Kunden, die schnell einkaufen wollen, sollen nicht zu Amazon Fresh oder anderen Online-Händlern abwandern. Mit modernen Technologien und einem verbesserten Einkaufserlebnis will Kaufland Supermarkt auch in Zukunft die erste Wahl für Millionen von deutschen Verbrauchern bleiben.




