Die REWE Group Strategie für das Jahr 2026 ist geprägt von ambitionierten Wachstumsplänen, einer umfassenden Digitalisierungsoffensive und einer bedeutenden Übernahme: Der Kölner Handelsriese hat eine Vereinbarung zur Übernahme von bis zu 40 Tegut-Märkten von der Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) unterzeichnet. Diese strategische Entscheidung unterstreicht den Anspruch der REWE Group, ihre Marktführerschaft im deutschen Lebensmitteleinzelhandel weiter auszubauen und die Nahversorgung in Deutschland nachhaltig zu stärken. Mit Investitionen von 16 Milliarden Euro bis 2028 setzt der Konzern ein klares Zeichen für seine Wachstumsambitionen.
Hintergrund: REWE Group als Schwergewicht des deutschen Handels
Die REWE Group gehört zu den größten Handels- und Touristikkonzernen in Deutschland und Europa. Mit einem Gesamtumsatz von über 96 Milliarden Euro im Jahr 2024 – bereinigt um unabhängige Einzelhändler und at-equity-Unternehmen waren es 87,9 Milliarden Euro, ein Plus von 4,6 Prozent – ist das Unternehmen ein wirtschaftliches Schwergewicht. Das Vollsortiment-Segment in Deutschland verzeichnete 2024 ein Umsatzwachstum von 3,4 Prozent auf 31,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBITA) stieg um 8,9 Prozent auf 2 Milliarden Euro, und der Nettogewinn erhöhte sich um beeindruckende 37,2 Prozent auf 1 Milliarde Euro – teilweise begünstigt durch eine Steuererstattung.
Diese starken Zahlen bilden die Grundlage für die ehrgeizigen Investitionspläne der REWE Group. CFO Telerik Schischmanow betonte, dass das Unternehmen gut für organisches und anorganisches Wachstum positioniert sei und die Investitionen weitgehend aus dem eigenen Cashflow finanziert werden könnten. Gleichzeitig schließt er Kapitalmarktaktivitäten, etwa die Ausgabe neuer Anleihen, nicht aus, um das Wachstum zu finanzieren. Die genossenschaftliche Struktur des Unternehmens gibt ihm dabei eine besondere Stabilität und Unabhängigkeit von kurzfristigen Kapitalmarkterwartungen.
Die Tegut-Übernahme: Stärkung der Nahversorgung
Das Herzstück der aktuellen REWE Group Strategie ist die geplante Übernahme von bis zu 40 Tegut-Märkten von der Genossenschaft Migros Zürich. Die Mehrheit der Standorte soll in das REWE-Filialnetz integriert werden, während die verbleibenden Märkte unter der Discountmarke PENNY betrieben werden sollen. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das Bundeskartellamt, das die wettbewerbsrechtlichen Auswirkungen der Übernahme prüfen wird.
Mit der Übernahme verfolgt die REWE Group das Ziel, die hochwertige Nahversorgung in den betroffenen Regionen zu stärken. Tegut ist bekannt für sein Qualitätssortiment, seinen Fokus auf regionale Produkte und seine Nähe zu lokalen Erzeugern. Diese Stärken sollen nach der Übernahme erhalten und durch das umfangreiche Sortiment und die Logistiksysteme der REWE Group ergänzt werden. Kunden können sich auf eine verbesserte Produktverfügbarkeit, ein übersichtlicheres Sortiment und ein starkes Eigenmarkensortiment zu stabilen Preisen freuen.
Ein besonderes Augenmerk legt die REWE Group auf die Beschäftigungssicherheit: Das Unternehmen hat zugesagt, allen Mitarbeitern der betroffenen Tegut-Märkte Jobangebote zu unterbreiten. Diese Zusage ist ein wichtiges Signal in einer Zeit, in der Übernahmen im Einzelhandel häufig mit Stellenabbau verbunden sind. PENNY plant, die übernommenen Märkte nach seinem "Markthallen-Konzept" zu modernisieren, das ein umfassendes Frischesortiment und eine breite Auswahl an attraktiven Marken und Eigenmarken zu wettbewerbsfähigen Preisen bietet.
Digitalisierungsoffensive: KI, Apps und autonome Märkte
Neben der physischen Expansion treibt die REWE Group ihre Digitalisierungsstrategie mit großem Nachdruck voran. Das Unternehmen war eines der ersten Einzelhandelsunternehmen weltweit, das ein "KI-Manifest" veröffentlichte – ein Dokument, das konkrete Empfehlungen für die ethische und verantwortungsvolle Entwicklung und Nutzung von KI-Anwendungen enthält. Dieser Schritt unterstreicht den Anspruch der REWE Group, nicht nur technologisch führend zu sein, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.
Am 29. Dezember 2024 starteten REWE und PENNY neue digitale Vorteilsprogramme, die auf datengetriebenen Ansätzen und innovativen Technologien basieren. Diese Programme bieten personalisierte Angebote, maßgeschneiderte Coupons und Treuekampagnen, um die Kundenbindung zu stärken. Die REWE- und PENNY-Apps verzeichnen eine wachsende Nachfrage und hohe Akzeptanz bei den Nutzern, mit Funktionen wie personalisierten Empfehlungen, einfacher Navigation und schnellen Checkout-Optionen.
Ein Meilenstein in der Digitalisierungsstrategie ist die Eröffnung des ersten vollautonomen REWE-Marktes in der Münchner Innenstadt. Dieser Markt bietet hybride Einkaufsmöglichkeiten: traditionelle Kasse, Selbstbedienungskasse oder kassenloses Pick&Go-System. Das Verteilzentrum "RE D 39" in Magdeburg setzt ebenfalls Maßstäbe: 50 Prozent der Lagerprozesse sind dort bereits automatisiert, und KI-gestützte Algorithmen optimieren Effizienz und Ergonomie. Auch die DERTOUR-Reisebüros nutzen KI bereits, um individualisierte Urlaubsangebote zu erstellen und standardisierte Anfragen zu bearbeiten.
Experteneinschätzungen: Wachstum mit Risiken
Handelsexperten bewerten die REWE Group Strategie überwiegend positiv, weisen aber auch auf Risiken hin. Die geplanten Investitionen von 16 Milliarden Euro bis 2028 – eine deutliche Steigerung gegenüber den früheren jährlichen Investitionen von unter 3 Milliarden Euro – sind ehrgeizig, aber angesichts der starken Finanzkennzahlen des Unternehmens grundsätzlich finanzierbar. Die Tegut-Übernahme wird als strategisch sinnvoll bewertet, da sie REWE in attraktiven Regionen stärkt und das Qualitätssegment ausbaut.
Kritisch gesehen wird hingegen die Abhängigkeit von der Genehmigung durch das Bundeskartellamt. Die Wettbewerbsbehörde hat in der Vergangenheit Übernahmen im Lebensmitteleinzelhandel kritisch geprüft und in einigen Fällen abgelehnt oder mit Auflagen versehen. Auch die Integration der Tegut-Märkte in das REWE-System wird als Herausforderung gesehen, da Tegut eine eigene Unternehmenskultur und Kundschaft hat, die es zu bewahren gilt. Experten empfehlen, die Tegut-Identität – insbesondere den Fokus auf regionale und Bio-Produkte – auch nach der Übernahme zu erhalten, um die bestehende Kundschaft nicht zu verlieren.
Die Investition in die österreichische Bar-Marke Neoh, einen Hersteller von Zuckerersatz, im Februar 2026 zeigt, dass die REWE Group auch im Food-Tech-Bereich aktiv ist. Solche strategischen Beteiligungen ermöglichen es dem Konzern, frühzeitig von Innovationen im Lebensmittelbereich zu profitieren und sein Portfolio zu diversifizieren. Kooperationen mit Verbänden wie Bitkom, dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) und dem Deutschen KI-Verband unterstreichen den Anspruch, an der Spitze der digitalen Transformation im Handel zu stehen.
Auswirkungen auf Verbraucher und Wettbewerb
Für Verbraucher in Deutschland bedeutet die REWE Group Strategie 2026 vor allem eines: mehr Auswahl und bessere Einkaufserlebnisse. Die Modernisierung der Märkte, die Einführung neuer digitaler Services und die Stärkung des Frischesortiments kommen direkt den Kunden zugute. Gleichzeitig dürfte der verstärkte Wettbewerb zwischen REWE, EDEKA, Lidl und Aldi die Preise stabil halten und Innovationen im Einzelhandel beschleunigen.
Für den Wettbewerb im deutschen Lebensmitteleinzelhandel bedeutet die Tegut-Übernahme eine weitere Konsolidierung. Kleinere Anbieter geraten zunehmend unter Druck, da die großen Ketten ihre Marktmacht ausbauen und durch Skaleneffekte Kostenvorteile erzielen. Das Bundeskartellamt wird daher genau prüfen, ob die Übernahme den Wettbewerb in den betroffenen Regionen beeinträchtigt. Verbraucherverbände beobachten die Entwicklung ebenfalls aufmerksam und fordern, dass die Qualitätsstandards von Tegut auch nach der Übernahme erhalten bleiben.
Ausblick: REWE auf Wachstumskurs
Die REWE Group ist mit ihrer Strategie für 2026 und darüber hinaus gut aufgestellt. Die Kombination aus physischer Expansion durch die Tegut-Übernahme, digitaler Transformation und strategischen Investitionen in Food-Tech-Unternehmen zeigt, dass der Konzern die Herausforderungen des modernen Einzelhandels ernst nimmt und proaktiv angeht. Mit einem klaren Fokus auf Qualität, Nachhaltigkeit und digitale Verantwortung positioniert sich die REWE Group als zukunftsfähiges Unternehmen, das die Bedürfnisse der Verbraucher im 21. Jahrhundert versteht und erfüllt.
Die endgültige Entscheidung des Bundeskartellamts zur Tegut-Übernahme wird mit Spannung erwartet. Sollte die Genehmigung erteilt werden, dürfte die Integration der Märkte in das REWE- und PENNY-Netz zügig voranschreiten. Die Mitarbeiter der betroffenen Tegut-Filialen können dank der Jobgarantie der REWE Group mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Für die Kunden bedeutet die Übernahme langfristig ein verbessertes Einkaufserlebnis mit einem breiteren Sortiment und moderneren Märkten.
Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung
Die REWE Group Strategie 2026 umfasst auch einen starken Fokus auf Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung. Das Unternehmen hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt und arbeitet daran, seinen CO2-Fußabdruck entlang der gesamten Lieferkette zu reduzieren. Dazu gehören Maßnahmen wie die Umstellung auf erneuerbare Energien in den Filialen und Logistikzentren, die Reduzierung von Lebensmittelabfällen durch intelligente Bestandsmanagement-Systeme und die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft durch Partnerschaften mit regionalen Erzeugern.
Im Bereich der Eigenmarken setzt REWE verstärkt auf nachhaltige Verpackungen und Bio-Produkte. Die Eigenmarke "REWE Bio" hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der stärksten Bio-Sortimente im deutschen Lebensmitteleinzelhandel entwickelt. Mit der Übernahme der Tegut-Märkte, die ebenfalls für ihr Bio- und Regionalsortiment bekannt sind, stärkt REWE seine Position als führender Anbieter nachhaltiger Lebensmittel in Deutschland. Diese Positionierung ist nicht nur aus ethischen Gründen wichtig, sondern auch aus wirtschaftlicher Perspektive: Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten wächst kontinuierlich, und Verbraucher sind zunehmend bereit, für Qualität und Nachhaltigkeit mehr zu bezahlen.
Die Ausgabe von Nachhaltigkeitsanleihen (Sustainability-Linked Bonds) zeigt, dass die REWE Group auch auf dem Kapitalmarkt ihre Nachhaltigkeitsstrategie kommuniziert und sich gegenüber Investoren zu messbaren Nachhaltigkeitszielen verpflichtet. Diese Transparenz stärkt das Vertrauen der Stakeholder und positioniert das Unternehmen als verantwortungsvollen Akteur in der deutschen Wirtschaft.




