Ein spektakuläres Naturereignis hat Touristen und Meeresbiologen gleichermaßen in Staunen versetzt: Ein riesiger Riesenhai ist vor der kroatischen Küste bei Pula aufgetaucht und hat sich einem Ausflugsboot auf beeindruckende Weise genähert. Der Riesenhai Kroatien Pula-Vorfall sorgt seitdem für Schlagzeilen in ganz Europa und wirft wichtige Fragen über den Schutz dieser faszinierenden Meeresriesen auf.
Spektakuläre Begegnung vor Pula
An einem Samstagnachmittag befand sich das Touristenboot „Orca" auf einer Delfinbeobachtungsfahrt vor der istrischen Küste, als plötzlich eine riesige Flosse aus dem Wasser ragte. Ein Riesenhai (Cetorhinus maximus) von schätzungsweise acht Metern Länge näherte sich dem Boot und kreiste etwa zehn Minuten lang um das Fahrzeug. An Bord befanden sich deutsche Touristen und Kinder, die das Spektakel aus nächster Nähe beobachten konnten.
Kapitän Zvonko Halimić, ein erfahrener Seemann mit 65 Jahren Berufserfahrung auf der Adria, war sichtlich bewegt von der Begegnung. „In meinen gesamten Jahren auf See habe ich so etwas noch nie erlebt", erklärte er gegenüber lokalen Medien. „Der Hai öffnete sein riesiges Maul direkt neben unserem Boot – ein unvergesslicher Anblick." Die Touristen, darunter auch Kinder, zeigten erstaunlicherweise keine Angst und versuchten sogar, das Tier zu berühren. Ein weiterer Taucher in der Region berichtete, er habe etwa 20 Minuten lang mit einem sieben Meter langen Exemplar geschwommen.
Hintergrund: Was ist ein Riesenhai?
Der Riesenhai (Cetorhinus maximus) ist der zweitgrößte Fisch der Welt – übertroffen nur vom Walhai. Ausgewachsene Exemplare können bis zu zwölf Meter lang werden und mehrere Tonnen wiegen. Trotz seiner imposanten Größe ist der Riesenhai für Menschen völlig harmlos: Er ernährt sich ausschließlich von Plankton, das er durch sein weit geöffnetes Maul filtert. Dabei kann er bis zu 1,5 Millionen Liter Wasser pro Stunde durchsieben – eine beeindruckende biologische Leistung.
Der englische Name „Basking Shark" (Sonnenbadender Hai) leitet sich von seinem typischen Verhalten ab: Riesenhaie schwimmen oft langsam an der Wasseroberfläche, als würden sie in der Sonne dösen. Dieses Verhalten macht sie für Bootsfahrer und Taucher besonders gut sichtbar und führt regelmäßig zu spektakulären Begegnungen wie der vor Pula.
Aktuelle Entwicklung: Häufigere Sichtungen in der Adria
Die Sichtung vor Pula ist kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren wurden Riesenhaie zunehmend häufiger in der nördlichen Adria beobachtet. Bereits im März 2024 wurde ein Exemplar im Golf von Triest gesichtet, und im Herbst 2024 filmte ein Berufsfischer einen acht Meter langen Riesenhai in der Kvarner Bucht nahe dem Hafen von Medveja, nur etwa 200 Meter vom Ufer entfernt. Die Naturwissenschaftliche Fakultät in Pula bestätigte die Identifizierung des Tieres.
Frühere dokumentierte Sichtungen in kroatischen Gewässern umfassen einen Fang im Jahr 2019 sowie die Dokumentation eines fünf Meter langen Jungtiers zwischen Prizna und der Insel Pag im Jahr 2017. Meeresbiologen sehen in der zunehmenden Häufigkeit der Sichtungen ein gemischtes Signal: Einerseits könnte es auf eine leichte Erholung der Population hindeuten, andererseits könnten veränderte Meerestemperaturen und Planktonverteilungen durch den Klimawandel die Tiere in neue Gebiete treiben.
Experteneinschätzungen: Harmlos, aber schutzbedürftig
Meeresbiologen betonen einhellig, dass von Riesenhaien keine Gefahr für Menschen ausgeht. „Cetorhinus maximus ist ein reiner Planktonfresser und hat keinerlei Interesse an Menschen", erklärt Dr. Monika Schreiber vom Deutschen Meeresforschungsinstitut. „Die Tiere sind neugierig und nähern sich manchmal Booten, aber das ist völlig ungefährlich." Dennoch raten Experten davon ab, die Tiere zu berühren oder zu verfolgen, da dies Stress verursachen und das natürliche Verhalten stören kann.
Besorgniserregend ist hingegen der Erhaltungszustand der Art. Der Riesenhai steht auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) und ist streng geschützt. Historisch wurden Riesenhaie intensiv für ihr Leberöl und ihre Flossen gejagt, was die Populationen weltweit drastisch dezimierte. Heute sind sie in vielen Ländern, darunter auch in der EU, vollständig geschützt. Dennoch bleiben Beifang in Fischernetzen und Schiffskollisionen ernsthafte Bedrohungen.
„Jede Sichtung ist wissenschaftlich wertvoll", betont Meeresbiologin Dr. Ana Kovačić von der Universität Split. „Wir wissen noch immer sehr wenig über das Wanderverhalten und die Reproduktion dieser Tiere im Mittelmeer. Bürgerwissenschaftliche Meldungen wie diese helfen uns, ein besseres Bild der Population zu bekommen."
Auswirkungen: Tourismus und Naturschutz
Die Sichtungen von Riesenhaien vor der kroatischen Küste haben eine doppelte Wirkung auf den Tourismus. Einerseits ziehen spektakuläre Begegnungen wie die vor Pula Aufmerksamkeit auf sich und können als Attraktion für naturinteressierte Touristen dienen. Andererseits lösen Berichte über große Haie bei manchen Urlaubern Unbehagen aus, auch wenn die Tiere völlig harmlos sind.
Kroatische Tourismusbehörden und Naturschutzorganisationen arbeiten daran, die Öffentlichkeit besser über Riesenhaie aufzuklären. Informationskampagnen sollen erklären, dass diese Tiere keine Bedrohung darstellen und ihr Schutz im Interesse aller liegt. Bootsführer und Tauchanbieter werden angehalten, bei Sichtungen einen Mindestabstand einzuhalten und die Tiere nicht zu stören.
Für Deutschland ist das Thema ebenfalls relevant: Viele der Touristen, die Riesenhaie in der Adria erleben, kommen aus Deutschland. Die Begegnung vor Pula mit deutschen Urlaubern an Bord hat das Interesse hierzulande deutlich gesteigert. Naturschutzorganisationen wie der NABU nutzen solche Ereignisse, um auf den Schutz von Meereslebewesen aufmerksam zu machen.
Ausblick: Klimawandel verändert die Adria
Wissenschaftler warnen, dass der Klimawandel die Verteilung von Meereslebewesen in der Adria und im gesamten Mittelmeer grundlegend verändern wird. Steigende Wassertemperaturen und veränderte Meeresströmungen beeinflussen die Planktonverteilung – die Nahrungsgrundlage der Riesenhaie. Dies könnte dazu führen, dass die Tiere häufiger in Küstennähe und in bisher ungewohnten Gebieten auftauchen.
Für den Schutz der Riesenhaie ist internationale Zusammenarbeit unerlässlich. Das Mittelmeer-Aktionsplan-Abkommen (MAP) und die Barcelona-Konvention bieten rechtliche Rahmenbedingungen, die jedoch konsequenter umgesetzt werden müssen. Meeresschutzgebiete, in denen Fischerei und Schiffsverkehr eingeschränkt sind, könnten wichtige Rückzugsräume für Riesenhaie und andere bedrohte Meereslebewesen bieten.
Die Begegnung vor Pula bleibt ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie nah Mensch und Natur aufeinandertreffen können – und wie wichtig es ist, diese Begegnungen mit Respekt und Verantwortungsbewusstsein zu gestalten. Der Riesenhai Kroatien Pula-Vorfall hat nicht nur Touristen begeistert, sondern auch das Bewusstsein für den Schutz dieser faszinierenden Meeresriesen geschärft. Wer das Glück hat, einem Riesenhai in freier Wildbahn zu begegnen, erlebt eines der beeindruckendsten Naturschauspiele, die die Adria zu bieten hat.
Wissenschaftliche Bedeutung der Sichtungen
Für die Meeresforschung sind Sichtungen von Riesenhaien in der Adria von großem wissenschaftlichem Wert. Das Mittelmeer gilt traditionell nicht als Hauptlebensraum dieser Art – Riesenhaie bevorzugen kältere Gewässer des Nordatlantiks und des Nordpazifiks. Dass sie zunehmend in der Adria auftauchen, könnte auf Veränderungen in der Planktonverteilung hinweisen, die wiederum mit dem Klimawandel zusammenhängen könnten.
Forscher der Universität Pula haben ein Citizen-Science-Programm gestartet, bei dem Touristen und Fischer Sichtungen melden können. Die gesammelten Daten fließen in eine europaweite Datenbank ein, die das Wanderverhalten von Riesenhaien im Mittelmeer kartiert. „Jede gemeldete Sichtung ist ein Datenpunkt, der uns hilft, die Populationsdynamik besser zu verstehen", erklärt Projektleiterin Dr. Ivana Marić. Bisher wurden im Rahmen des Programms über 200 Sichtungen in der Adria dokumentiert.
Besonders wertvoll sind Videoaufnahmen wie die vom Boot „Orca" vor Pula. Anhand solcher Aufnahmen können Wissenschaftler individuelle Tiere anhand ihrer Flossenmuster identifizieren – ähnlich wie bei Fingerabdrücken. Diese Methode ermöglicht es, die Wanderrouten einzelner Tiere über Jahre hinweg zu verfolgen und mehr über ihre Lebensweise zu erfahren.
Schutzmaßnahmen und internationale Zusammenarbeit
Der Schutz von Riesenhaien erfordert internationale Zusammenarbeit, da die Tiere keine nationalen Grenzen kennen. Im Rahmen des ACCOBAMS-Abkommens (Agreement on the Conservation of Cetaceans of the Black Sea, Mediterranean Sea and Contiguous Atlantic Area) arbeiten Mittelmeeranrainerstaaten zusammen, um marine Großtiere zu schützen. Kroatien, als EU-Mitglied, ist dabei an europäische Naturschutzrichtlinien gebunden, die den Riesenhai als streng geschützte Art ausweisen.
Praktische Schutzmaßnahmen umfassen die Einrichtung von Meeresschutzgebieten, in denen Fischerei und Schiffsverkehr eingeschränkt sind. In der Adria gibt es bereits mehrere solcher Gebiete, aber Experten fordern eine Ausweitung. Besonders wichtig sind Schutzmaßnahmen in Gebieten, in denen Riesenhaie regelmäßig gesichtet werden – wie vor der Küste Istriens.
Für Touristen und Bootsführer gibt es klare Verhaltensempfehlungen: Mindestabstand von 30 Metern zu Riesenhaien, kein Einsatz von Motorbooten in unmittelbarer Nähe, kein Berühren oder Füttern der Tiere. Diese Regeln dienen nicht nur dem Schutz der Haie, sondern auch der Sicherheit der Menschen – denn auch wenn Riesenhaie harmlos sind, können ihre Schwanzflossen bei unvorsichtiger Annäherung erheblichen Schaden anrichten.




