Narges Mohammadi, die iranische Friedensnobelpreisträgerin, befindet sich nach Berichten ihrer Familie in einem kritischen Gesundheitszustand. Die Menschenrechtsaktivistin, die 2023 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, soll Ende März 2026 einen mutmaßlichen Herzinfarkt erlitten haben und kämpft seitdem im Teheraner Evin-Gefängnis um ihr Leben. Narges Mohammadi steht für den Mut von Millionen iranischer Frauen und Männer, die trotz brutaler Repressionen für ihre Grundrechte eintreten. Ihr Fall hat weltweit Empörung ausgelöst und die internationale Gemeinschaft zu scharfen Protesten gegen das iranische Regime veranlasst.
Hintergrund: Eine Kämpferin für Freiheit und Menschenrechte
Narges Mohammadi wurde 1972 in Zanjan im Iran geboren und ist seit Jahrzehnten eine der prominentesten Stimmen für Menschenrechte, Frauenrechte und die Abschaffung der Todesstrafe in ihrem Land. Als Mitgründerin des Defenders of Human Rights Center, der Organisation der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, hat sie ihr Leben dem Kampf für Gerechtigkeit gewidmet. Ihr Aktivismus konzentriert sich auf drei Kernbereiche: den Kampf gegen den Pflicht-Hijab, die Abschaffung der Todesstrafe und die Aufdeckung von Folter und unmenschlichen Bedingungen in iranischen Gefängnissen.
Der Preis, den Mohammadi für ihr Engagement zahlt, ist enorm. Zwischen 1998 und Oktober 2023 wurde sie insgesamt 13 Mal verhaftet und zu einer Gesamtstrafe von 31 Jahren Haft und 154 Peitschenhieben verurteilt. Trotz dieser Repressionen ließ sie sich nicht einschüchtern. Aus dem Gefängnis heraus schmuggelte sie Botschaften, gab Interviews und informierte die Welt über die Zustände im Iran. Ihre Entschlossenheit und ihr Mut sind eine Inspiration für Aktivistinnen und Aktivisten weltweit.
Als das Nobelkomitee ihr im Oktober 2023 den Friedensnobelpreis zuerkannte, saß sie im Evin-Gefängnis in Teheran. Ihre Kinder nahmen den Preis in Oslo stellvertretend für sie entgegen – ein bewegendes Symbol für den Mut einer Frau, die selbst in Ketten für die Freiheit kämpft. Das Nobelkomitee begründete seine Entscheidung mit Mohammadis "Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran und ihrem Einsatz für Menschenrechte und Freiheit für alle". Ihre Auszeichnung fiel in eine Zeit, in der die Protestbewegung "Frau, Leben, Freiheit" nach dem Tod von Mahsa Amini im September 2022 die Welt erschüttert hatte. Mohammadi war zu einer Symbolfigur dieser Bewegung geworden.
Das Evin-Gefängnis in Teheran, in dem Mohammadi inhaftiert ist, gilt als eines der berüchtigtsten Gefängnisse der Welt. Politische Gefangene berichten von systematischer Folter, Einzelhaft und medizinischer Vernachlässigung. Mohammadi selbst hat in Berichten aus dem Gefängnis die unmenschlichen Bedingungen dokumentiert und damit international Aufmerksamkeit erregt. Ihre Berichte haben dazu beigetragen, dass die internationale Gemeinschaft die Menschenrechtslage im Iran stärker in den Fokus nimmt.
Aktuelle Entwicklung: Erneute Verhaftung und Gesundheitskrise
Im Dezember 2025 wurde Narges Mohammadi erneut verhaftet. Iranische Sicherheitskräfte nahmen sie bei einer Gedenkfeier für den verstorbenen Menschenrechtsanwalt Chosrow Alikordi in Mashhad fest. Auch andere Aktivistinnen, darunter Sepideh Gholian, wurden bei dieser Gelegenheit in Gewahrsam genommen. Die Verhaftung erfolgte kurz nach einer temporären Entlassung aus dem Evin-Gefängnis, die ihr aus gesundheitlichen Gründen gewährt worden war. Das Norwegische Nobelkomitee wies darauf hin, dass die Verhaftung möglicherweise mit der Ankunft der venezolanischen Nobelpreisträgerin María Corina Machado in Oslo zusammenhing – ein Hinweis auf die enge Zusammenarbeit zwischen dem iranischen und dem venezolanischen Regime.
Im Februar 2026 wurde Mohammadi erneut verurteilt: sieben Jahre und sechs Monate Haft – sechs Jahre wegen "Versammlung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit" und 18 Monate wegen "Propaganda gegen den Staat". Ihr Anwalt betonte, dass das Verfahren ohne rechtsstaatliche Grundsätze durchgeführt wurde. Diese neue Verurteilung addiert sich zu den bereits bestehenden Strafen und macht deutlich, dass das iranische Regime entschlossen ist, Mohammadis Aktivismus zu unterdrücken. Die Verurteilung wurde von internationalen Menschenrechtsorganisationen als politisch motiviert und rechtswidrig verurteilt.
Ende März 2026 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand dramatisch. Ihr Bruder Hamid-Reza Mohammadi berichtete auf der Plattform X, dass sie nach einem mutmaßlichen Herzinfarkt in einem kritischen Zustand sei. Sie habe stark an Gewicht verloren und sei erheblich geschwächt. Besonders beunruhigend sind die Berichte, dass ihr im Gefängnis notwendige Medikamente und Herzbehandlungen verweigert werden. Bereits zuvor hatte Mohammadi im November 2024 eine Operation zur Entfernung eines Knochenstücks am rechten Bein wegen Krebsverdachts durchgemacht. Im Dezember 2024 wurde ihr eine dreiwöchige temporäre Entlassung für medizinische Behandlung gewährt – doch nach ihrer Rückkehr ins Gefängnis verschlechterte sich ihr Zustand erneut.
Experteneinschätzungen: Internationale Empörung und Forderungen
Die internationale Gemeinschaft reagierte mit scharfer Kritik auf Mohammadis Situation. Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland bezeichnete ihre erneute Verhaftung im Dezember 2025 als "zutiefst beunruhigend" und betonte, dass der Einsatz für Menschenrechte und Meinungsfreiheit niemals kriminalisiert werden dürfe. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hatte sich bereits zuvor mehrfach für Mohammadis Freilassung eingesetzt und den Iran aufgefordert, die Menschenrechte zu achten.
Das Norwegische Nobelkomitee forderte die iranischen Behörden auf, Auskunft über Mohammadis Verbleib zu geben, ihre Sicherheit zu gewährleisten und sie bedingungslos freizulassen. Komiteevorsitzende Jørgen Watne Frydnes erklärte: "Die Inhaftierung einer Friedensnobelpreisträgerin ist ein Angriff auf die universellen Werte, für die der Preis steht." Auch der norwegische Premierminister Jonas Gahr Støre äußerte ernste Sorge und forderte eine medizinische Behandlung, die Mohammadis Leiden lindern und eine weitere Verschlechterung verhindern könne.
Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch haben Mohammadis Fall zu einem zentralen Anliegen ihrer Iran-Kampagnen gemacht. Sie dokumentieren systematisch die Verletzung ihrer Rechte und fordern die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf Teheran auszuüben. "Narges Mohammadi ist ein Symbol für den Mut aller iranischen Frauen und Männer, die für ihre Freiheit kämpfen", erklärte Amnesty International. Die Organisation forderte konkrete Sanktionen gegen iranische Verantwortliche, die für die Verletzung von Mohammadis Rechten verantwortlich sind.
Iranische Exilorganisationen und Diaspora-Gruppen in Deutschland und Europa haben Solidaritätsdemonstrationen organisiert und die Bundesregierung aufgefordert, stärkeren Druck auf den Iran auszuüben. In Berlin, Frankfurt und Hamburg fanden Kundgebungen statt, bei denen Teilnehmer Fotos von Mohammadi hochhielten und ihre sofortige Freilassung forderten. Die iranische Diaspora in Deutschland ist besonders aktiv in der Unterstützung von Menschenrechtsaktivisten im Iran.
Auswirkungen: Signalwirkung für den Iran und die Welt
Der Fall Narges Mohammadi hat weitreichende Auswirkungen auf die internationale Wahrnehmung des Iran und die Menschenrechtsdebatte. Für die iranische Zivilgesellschaft ist sie eine Symbolfigur des Widerstands – ihr Mut inspiriert Aktivistinnen und Aktivisten im ganzen Land, trotz Repressionen weiterzumachen. Gleichzeitig zeigt ihr Fall die Grenzen internationalen Drucks auf autoritäre Regime auf. Trotz aller Proteste und Forderungen hält das iranische Regime an seiner Repressionspolitik fest.
Für Deutschland und Europa stellt der Fall eine diplomatische Herausforderung dar. Einerseits gibt es wirtschaftliche und geopolitische Interessen im Verhältnis zum Iran, andererseits erfordert das Bekenntnis zu Menschenrechten klare Worte und Taten. Die Bundesregierung hat Mohammadis Freilassung wiederholt gefordert, aber konkrete Konsequenzen für das bilaterale Verhältnis blieben bisher begrenzt. Kritiker fordern, dass Deutschland und die EU stärkere Sanktionen gegen iranische Verantwortliche verhängen und den Menschenrechtsdialog mit dem Iran intensivieren.
Die Situation verdeutlicht auch die Lage der Frauenrechtsbewegung im Iran. Seit den Protesten nach dem Tod von Mahsa Amini hat das Regime die Repressionen verschärft. Tausende Aktivistinnen wurden verhaftet, viele zu langen Haftstrafen verurteilt. Mohammadis Fall steht stellvertretend für das Schicksal vieler mutiger Frauen, die für ihre Grundrechte eintreten. Die internationale Aufmerksamkeit für ihren Fall ist wichtig, um das Schicksal dieser Frauen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Ausblick: Freilassung bleibt dringende Forderung
Die internationale Gemeinschaft muss den Druck auf den Iran aufrechterhalten und verstärken. Narges Mohammadis Gesundheitszustand ist kritisch, und jede weitere Verzögerung ihrer medizinischen Behandlung könnte fatale Folgen haben. Die Forderung nach ihrer bedingungslosen Freilassung ist nicht nur eine humanitäre Notwendigkeit, sondern auch ein Test für die Glaubwürdigkeit der internationalen Menschenrechtspolitik. Wenn die Welt tatenlos zusieht, wie eine Friedensnobelpreisträgerin im Gefängnis stirbt, verliert die internationale Menschenrechtsarchitektur an Glaubwürdigkeit.
Narges Mohammadi selbst hat trotz aller Repressionen nie aufgehört zu kämpfen. Aus dem Gefängnis heraus hat sie Botschaften geschmuggelt, Interviews gegeben und die Welt über die Zustände im Iran informiert. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit sind eine Inspiration für alle, die an die universelle Gültigkeit von Menschenrechten glauben. Die Welt schaut auf den Iran – und auf das Schicksal einer Frau, die für die Freiheit aller kämpft. Narges Mohammadi darf nicht vergessen werden.




